Internationale und nationale Aktivitäten

Angesichts der zunehmenden Resistenzproblematik auf der einen und der unzureichenden, nahezu stagnierenden Antibiotikaneuentwicklung auf der anderen Seite wurden auf internationaler und nationaler Ebene Aktionspläne bzw. Strategien erarbeitet mit dem übergeordneten Ziel die Therapierbarkeit von Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier zu erhalten.

Aktivitäten der WHO

Im Jahr 2001 wurde von der WHO die „WHO Global Strategy for Containment of Antimicrobial Resistance“ veröffentlicht. Hier wird ein breit gefächertes, sektorübergreifendes Spektrum an Aktivitäten und Maßnahmen vorgeschlagen, das die verschiedenen Akteure im Bereich Antibiotikaresistenz einbindet. In der Resolution der Weltgesundheitsversammlung 2005 wurde die Notwendigkeit der vorgeschlagen Maßnahmen bekräftigt und die Mitgliedstaaten noch einmal aufgefordert auf nationaler Ebene Strategien für ein koordiniertes Vorgehen der Beteiligten zu entwickeln und umzusetzen. Um die Bedeutung als globale Bedrohung hervorzuheben, wurde der Weltgesundheitstag 2011 der Antibiotikaresistenz gewidmet. Ebenfalls im Jahr 2011 wurden vom Regionalkomitee Europa der WHO für die Region Europa sieben strategische Ziele formuliert. Damit sollte den Ländern eine an den Erfordernissen des europäischen Raumes orientierte Leitlinie für den Aufbau nationaler Strategien angeboten werden.

  1. Stärkung der sektorübergreifenden Koordination auf nationaler Ebene;
  2. Stärkung der Surveillance antimikrobieller Resistenzen;
  3. Stärkung der Surveillance und Förderung der Aufsichtsfunktion in Bezug auf den Einsatz antimikrobieller Mittel;
  4. Stärkung der Surveillance von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe und ihres Einsatzes in der Tiermast;
  5. Stärkung der Infektionsbekämpfung und der Aufsichtsfunktion über antimikrobielle Resistenzen in Gesundheitseinrichtungen;
  6. Förderung von Forschung und Innovation in Bezug auf neue Arzneimittel und Technologien;
  7. Gewährleistung der Patientensicherheit und Schärfung des Bewusstseins für den Antibiotikagebrauch und antimikrobielle Resistenzen.

Mit dem Ziel die Aufmerksamkeit gegenüber der Thematik zu erhöhen und die Umsetzung der Empfehlungen der Strategie von 2001 und der auf dem Weltgesundheitstages 2011 propagierten Vorgehensweise zu fördern, wurde im Jahr 2012 von der Sektion „Patient Safety“ der WHO die Verlautbarung „The evolving threat of antimicrobial resistance - Options for action“ herausgegeben. Entsprechend dem Beschluss der World Health Assembly 2014 wird von der WHO der Entwurf eines umfassenden globalen Aktionsplans gegen antimikrobielle Resistenzen erarbeitet, der im Jahr 2015 vorgelegt werden soll.

Aktivitäten der EU

Im Jahr 2001 wurde von der EU-Kommission die „European Community Strategy Against Antimicrobial Resistance“ veröffentlicht. Teil dieser Strategie sind die Empfehlungen des europäischen Rates zum umsichtigen Einsatz von Antibiotika. Hier wird die Etablierung bzw. Stärkung der Surveillance-Systeme (Antibiotikaresistenz, Antibiotikaverbrauch) hervorgehoben.
Seit dem Jahr 2008 wurde, initiiert vom European Center for Disease Prevention and Control (ECDC), die EU-weite Kampagne „European Antibiotic Awareness Day“ (EAAD), an der sich alle Mitgliedstaaten beteiligen sollen, gestartet. Ziel dieser Kampagne ist es, die Öffentlichkeit für die Themen Antibiotikaresistenz und Rationaler Antibiotikaeinsatz zu sensibilisieren. Vor dem Hintergrund einer weiterhin zunehmenden Antibiotikaresistenz-Problematik hat die EU-Kommission im Jahr 2011 den „Action plan against the rising threats from antimicrobial resistance“ herausgegeben, der als Grundlage für die Aktivitäten der nächsten 5 Jahre einen 12-Punkteplan vorschlägt:

  1. Stärkung des umsichtigen Einsatzes von Antibiotika in allen Mitgliedsstaaten,
  2. Verschärfung der EU-Rechtsvorschriften für Tierarzneimittel und Fütterungsarzneimittel,
  3. Einführung von Empfehlungen für den umsichtigen Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin,
  4. Stärkung von Infektionsprävention und -Kontrolle in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen,
  5. Einführung von Rechtsinstrumenten zur Verbesserung von Infektionsprävention und -kontrolle bei Tieren im Rahmen des neuen EU-Tiergesundheitsrechts,
  6. Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zur Entwicklung und Prüfung neuer Antibiotika,
  7. Förderung einer Bedarfsanalyse für neue Antibiotika in der Veterinärmedizin,
  8. Entwicklung und/oder Verstärkung der multilateralen und bilateralen Aktivitäten zur sektorübergreifenden Prävention und Eindämmung der Antibiotikaresistenz,
  9. Verbesserung der Überwachungssysteme für Antibiotikaresistenz und -verbrauch in der Humanmedizin,
  10. Verbesserung der Überwachungssysteme für Antibiotikaresistenz und -verbrauch in der Veterinärmedizin,
  11. Verstärkung und Koordinierung der Forschung,
  12. Evaluation von durchgeführten Maßnahmen.

Zusammenarbeit auf internationaler Ebene

Im Jahr 2009 wurde die Transatlantische Task Force on Antimicrobial Resistance (TATFAR) gegründet. Sie soll als Plattform dienen für den Informationsaustausch und die Kooperation zwischen der EU und den USA in den Kernbereichen: 1. Rationaler Einsatz von Antibiotika im Human und Tierbereich; 2. Prävention von Infektionen in medizinischen Einrichtungen aller Sektoren; 3. Strategien zur Verbesserung der Entwicklung und Zulassung neuer Medikamente.
Darüber hinaus wurde eine Reihe von weiteren europäischen und internationalen Initiativen zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen ins Leben gerufen z.B. das Projekt „ReACT“-Action on antibiotic resistance, das sich zum Ziel gesetzt hat auf verschiedenen Ebenen die Erhaltung der Therapierfähigkeit von Infektionen zu fördern und zu unterstützen.

Aktivitäten in Deutschland

Im Jahr 2008 wurden in der „Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie“ (DART), die in Zusammenarbeit des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entstanden ist, entsprechende Schwerpunkte gesetzt. Es wurden Zielvorgaben definiert und der Rahmen gesteckt für eine koordinierte sektorübergreifende Vorgehensweise. 2012/2013 wurde eine Überprüfung des Standes der Umsetzung durchgeführt sowie eine Einschätzung der aktuellen Resistenzlage vorgenommen. In naher Zukunft soll eine an die aktuelle Situation angepasste weiterentwickelte DART vorgelegt werden. Aufbauend auf DART wurde im Jahr 2011 das „Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und anderer Gesetze“ verabschiedet mit dem Ziel die Bemühungen zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen und zur Minimierung von Infektionen mit resistenten Erregern zu verstärken. Damit wurde auch die Grundlage für die Gründung der Kommission ART - Antiinfektiva, Resistenz und Therapie geschaffen.

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